interview hier zufällig ausgewählt. systematisch kann auf die interviews über studierende oder lehrende zugegeriffen werden

interviewer:
marion godau
2004-02-17


protraitbild

Anna Maske
wie wuerdest du jemand anderem deinen job erklaeren?
(Anna Maske hat Design und Architektur studiert.) Meine Arbeit ist komplex. Sie umfasst die Auseinandersetzung mit dem Städtebau, dem Alt- und Neubau, mit Gartenbeleuchtung ebenso wie mit Inneneinrichtung oder Oberflächen, Materialien und Technologien. Dementsprechend charakterisiert meine Arbeit ein recht breites Wissen. Mein Job ist niemals in 5 Tagen à 8 Stunden zu bewältigen. Und es gehört sehr viel psychologische Arbeit dazu, etwa der Umgang mit Kollegen, wie motivieren wir uns oder schaffen gute Stimmung zum Arbeiten. Oder: wie motiviere ich einen Bauherren. Und: Wie erhalte ich die Gesprächsbereitschaft. Der Tagesablauf ist sehr unterschiedlich, mal bin ich koordinierend mit Helm auf einer Baustelle und dann wieder arbeite ich wie in einem Kokon im Büro, im Raum des Denkens, Recherchierens, Entwerfens. Dieses Spannungsfeld habe ich nicht zuletzt Nick zu verdanken, der immer sagte: ?Schafft Euch keine Monokultur, arbeitet in heterogenen Strukturen. Seid flexibel, dies wird euch auch helfen, wenn die Zeiten sich ändern?.

welche arbeiten oder auch ereignisse waren besonders wichtig fuer dich?
Das Studium war extrem wichtig. Besonders Piter Zech, Günter Ohlwein und Nick Roericht prägten mich. Und die intensive fotografische Arbeit bei Prof. König. Mein Italienaufenthalt war natürlich ein wichtiger Moment für mich. Es ist etwas ganz anderes, Italien nur zu besuchen oder mitzukriegen, wie es eigentlich ist, dort zu arbeiten. Achille Castiglioni hat mich interessiert als jemand, der Alltagsdinge entwarf und dazu der Gegensatz Memphis (das mich immer noch begeistert). Natürlich war auch meine Hochzeit 1992 ein wichtiger Moment. Das war ein richtiges Projekt, ein von uns arrangiertes, tagelanges Fest. Dann ist ein Kind immer wichtig. Mit Kindern lernt man noch mal mehr Geduld. Obwohl ich das während des Studiums bei Günter Ohlwein mit kontinuierlicher Arbeit an der Plastik auch schon geübt habe. Und man entdeckt neu, das gibt Impulse. Ein wichtiger Schritt war auch die Gründung des Büros mit meinem Geschäftspartner Jens Suhren.

mit wem bist du so in verbindung oder mit wem arbeitest du zusammen?
Ich arbeite mit Jens Suhren als Geschäftspartner und Winfried Brenne, einem weiteren Architekten, mit dem wir viele Wettbewerbe und Projekte zusammen machen. Aus den Zeiten des Design-Studiums habe ich Kontakt mit Matthias Dietz und ab und zu mit Thomas Schwebel. Aber es gibt hier keinerlei Zusammenarbeit.

triffst du noch ehemalige id4ler oder arbeitest du mit ihnen zusammen?
s.o. Christian Werner treffe ich gerne in Mailand und ab und zu Inge Sommer und Jörg Hundertpfund. Sie alle laufen mir eher zufällig über den Weg.

woran oder wo wuerdest du gerne arbeiten? was wuerde dich reizen?
Im Design? Ich bin zu allen Schandtaten bereit. Ich kann mir vorstellen, auch mal wieder technische Geräte zu machen. Und Möbel und Beleuchtung natürlich. Innenräume interessieren mich immer noch sehr.

wer oder was inspiriert dich/bewunderst du im moment? wer oder was bringt dich auf ideen und turnt dich an?
Die Mailänder Möbelmesse bringt immer wieder viele Ideen. Überhaupt gute Entwürfe - ob alt oder neu, ich sehe sie mir an und entwickle darüber etwas Neues. Eine Quelle, die ich mir immer wieder angucke, weil sie mir Anregungen gibt, ist z.B. Zanotta Edizioni, ein Katalog aus der Hoch-Zeit von Memphis und Co. Man kann darin sehr viel Spielraum in Farbe, Material und Form entdecken. Oftmals entsteht die Inspiration auch aus der Beschäftigung mit dem Thema. Dann kommen Anregungen aus der Recherche, etwa bei der Frage: Was ist die Geschichte des Gegenstandes oder des Hauses? Bücher und Kunstwerke regen mich auch an. Doch ich komme meistens nicht dazu, Anregungen aus anderen Bereichen wie Kunst, Musik, Theater, Literatur usw. zu übertragen. Zum Lesen bleibt z.B. zu wenig Zeit.

was faellt dir als erstes ein, wenn du an dein studium im id4 denkst?
Der kleine Roericht, der da geradezu auf Zehenspitzen steht und die Nase hebt, um größer zu sein. Dabei hat er das wirklich gar nicht nötig. Dann sein Seminarraum. Was ich im nachhinein sehr schätze, das waren die Werkstätten. Und es herrschte ein relativ familiäres Klima. Wir waren sehr wenige, und die Konkurrenz hielt sich in Grenzen. Zwar machte jeder sein Ding, aber wir tauschten uns ständig aus.

was hat dir für die praxis am meisten gebracht?
Meine Kontinuität, einer Sache Interesse zu widmen. Ich habe bestimmte Themenstränge kontinuierlich verfolgt.

welche lehr-ansätze von id4 funktionieren für dich noch? oder vielleicht gerade heute?
Die Nicht-Monokultur. Und das Konzept, Studenten zu aktivieren, den Kontakt nach außen zu kriegen. Das war von heute aus betrachtet vielleicht zu früh zu realistisch. KaDeO etwa war eine gute Aktion und hatte wachrüttelnde Wirkung bei uns, hatte aber schon zu viele kommerzielle Komponenten. Wir begannen ja damals damit, die Entwürfe zu produzieren. Da habe ich viel über Produktion, Verteilung, Logistik usw. gelernt. Doch bekam ich als Studentin irgendwann das Gefühl, das Ergebnis wäre schon wichtiger als der Weg.

wenn du gerade nicht arbeitest, wo bist du am liebsten?
Im Bett. Ich mache auch gerne Ausflüge mit meiner Tochter Nusch, um ihr etwas von der Welt zu zeigen.

auf was koenntest du leicht verzichten?
Auf sehr viele Sachen, besonders gut auf Überflüssiges. Davon gibt es so viel auf der Welt, 100.000 gleich aussehende Sofas von unterschiedlichen Firmen, 20 verschiedene Zahnpasten usw. Das riesige Angebot geht oftmals sehr zu Lasten der Qualität. Ich kaufe bei bestimmten Produkten immer nur im Original. Ich brauche Basics, aber ich schätze es auch, ins Kadewe zu gehen und eine gute, ausgesuchte Auswahl zu haben. Ich hasse den Überfluss, der mit Wegwerfen verbunden ist.